Samstag, 25. Februar 2012

Dies ist weder ein sachlicher noch ausführlicher Testbericht, sondern ein kurzer Bericht der Erlebnisse und...

Dies ist weder ein sachlicher noch ausführlicher Testbericht, sondern ein kurzer Bericht der Erlebnisse und Empfindungen die meine nun knapp einen Monat dauernde Beziehung zu meinem neuen Handy, dem Samsung Galaxy Nexus ausgelöst hat.
http://youtu.be/gHKV4gwSzlQ

Die Begriffe von Erlebnissen, Empfindungen und Beziehungen verwende ich dabei ganz bewusst.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine ist längst nicht mehr nur technisch bestimmt, wenn es das denn jemals war. Es lässt sich nicht mehr nur in Ordnungen von Speichergröße und Verarbeitungsgeschwindigkeit eindeutig messen. Tatsächlich verlieren gerade diese Maßstäbe für die Bestimmung des Wertes eines Werkzeugs immer mehr an Bedeutung.

Sie werden abgelöst von eben solchen Begriffen, die die zunehmend mit Gefühlen aufgeladenen, intime Beziehungen zwischen dem Nutzer und seinen Geräten beschreiben.

Wir genießen die Schönheit der uns umgebenden Bildschirme, unsere Berührung ihrer Oberflächen, den Schein, zu ihnen sprechen zu können, verstanden zu werden.

Das Ausmaß, in dem Geräte diese guten Gefühle in uns wecken können, bestimmt mehr und mehr unsere Kaufentscheidungen.

Nicht erst Apple hat diesen Anspruch zur Meisterschaft gebracht, Geräte entwickelt, in die man sich verlieben kann. Dieter Rams
http://youtu.be/A6-wA-7QIeE

und F. A. Porsche
http://youtu.be/Bc2FgbUYxoA

ebneten den Weg, auf dem Jonathan Ive geht.
http://youtu.be/ohZd8DxzhYQ

Und doch stellt Apple derzeit den Maßstab für liebenswerte Maschinen, an dem alle Wettbewerber sich messen müssen.

Google ist es mit Android 4.0 auf dem Samsung Galaxy Nexus noch nicht gelungen, diesen Maßstab abzulösen. Aber es gelingt zum ersten Mal, ihm gerecht zu werden.

Die Folge der Nennung ist nicht zufällig. Die Software, die Idee, das Mem bestimmt das Erlebnis, das Gefühl der Maschine.

Das Nexus ist die fassbare Form für das bisher beste, schönste Android.

Form und Funktion gehen bruchlos ineinander. Die Bedienung macht Spaß. Der Nutzer versteht und fühlt sich verstanden. Das Erlebnis der Maschine ist schön.

Doch die Entscheidung für Android ist, bewusst oder unbewusst, nicht nur Entscheidung für die eine oder andere Maschine. Es ist eine Entscheidung für politische, ja moralische Grundsätze. Eine Entscheidung gegen Entwicklungen mit geschlossenem, teuer verkauftem Quell-Code.

Eine Entscheidung für Entwicklungen mit offenem, freiem, meist kostenlosem, immer preiswertem Quell-Code.

Eine Entscheidung für Informationstechnologie, die wirklich für die Massen verfügbar ist.

Mit einer scheinbar nebensächlichen Entscheidung für das Galaxy Nexus hat Google nun gerade diese Grundsätze, für die seine Produkte immer gestanden haben, zum Teil verraten.

Ich kann auf den Datenspeicher des Galaxy Nexus mit einem Windows-PC, wie mit einem Mac problemlos über USB zugreifen.

Meine Linux-PCs, die mit meinem bisherigen Androiden problemlos zusammenarbeiteten, reagieren beim Samsung Galaxy Nexus noch nicht einmal mehr auf das Enstecken des USB-Steckers.

Plötzlich ist man als Anwender nach Jahren in denen alles einfach funktionierte, wieder in der Linux-Steinzeit zurück, als Google nach Workarounds durchsucht, Treiber händisch installiert und Konfigurationsdateien ebenso händisch umgeschrieben werden mussten.
http://linuxundich.de/de/android/galaxy-nexus-bzw-android-4-0-auf-ptp-umstellen-und-unter-linux-die-daten-verwalten/

Am Ende arbeitet keine dieser “Lösungen” zufriedenstellend zuverlässig. Und am Punkt, an dem man auf dem Telefon einen FTP-Server installieren muss, um Linux einen einfachen Zugang zu seinem Datenspeicher zu sichern, ist es nur noch peinlich, nicht für Linux, umsomehr für Google.

Mit dem Wechsel des USB-Übertragungsprotokolls vom weit verbreiteten und zuverlässigen UMS zum außerhalb von Microsoft noch kaum verwendeten MTP wendet sich Google gegen die Grundlage aller seiner Produkte: Linux.

Damit schadet Google dem Ruf von beiden. von Ubuntu längst widerlegte und überwundene Vorurteile über Linux können wieder aus ihren Schubladen gezogen werden; zu kompliziert, unkompatibel, nur IT-Experten geeignet.

Das ist umso trauriger, als das Galaxy Nexus in jeder anderen Hinsicht ein so gutes, so einfaches, so schönes Gerät ist.

Ich genieße es. Und inzwischen überwiegt der Genuss auch den Ärger über das leidige USB-Problem.

Das Samsung Galaxy Nexus ist der bisher beste Androide. Aber es könnte soviel besser sein.
http://www.youtube.com/watch?v=gHKV4gwSzlQ

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