Motorola Moto X - leider doch nicht der Android nach dem ihr sucht
Es wäre viel zu einfach, zu sagen, ich habe es geahnt.
Ich wollte, dass das Motorola Moto X ein Erfolg wird.
Ich wollte ein Android Smartphone, dass ich Bekannten empfehlen kann, die keine Google Fanboys sind, sondern einfach nur ein besseres, neues Handy nach ihrem iPhone oder Galaxy wollen.
Im Mindesten hätte Google das Moto X zum nächsten Nexus bestimmen können. Es wäre ein würdiger Nachfolger des LG Nexus 4.
Google und seine Tochter Motorola hatten gemeinsam alle Freiheiten und Mittel, um beides, wenigstens eins davon geschehen zu lassen.
Warum ist ihnen nichts davon gelungen?
Zwischen den Zeilen dieses Gesprächs zweier Legenden des Computer-Zeitalters, Leo Laporte und Guy Kawasaki , muss ich jetzt schon lesen, dass das Moto X nicht der Android sein wird, nach dem ich suche.
So gut die Leistungsmerkmale dieses Gerätes klingen, mit Android 4.2.2 bei Auslieferung und keinem klaren Upgrade-Weg von Google, bleibt es trotzdem nicht das nächste Nexus, eben nur fast.
Und für jeden, der die Nexus Reihe einmal schätzen gelernt hat, ist fast nie mehr genug.
Für alle anderen, die ihre Kaufentscheidung auf die Vorteile gründen, die ein Smartphone heute hat, nicht auf die, die es in drei Monaten haben könnte, wäre das Moto X ein verlockendes Angebot; unabhängig davon, ob diese Käufer vorher ein iPhone oder ein Samsung benutzt haben.
In diesem Sinn könnte Motorolas neue Schöpfung die erste ernstzunehmende Herausforderung für Apple und Samsung gleichermaßen sein.
Die Nexus Reihe bliebe das Angebot für die Google Fanboys, Geeks und Nerds, ohne gleichzeitig den Massenmarkt für Smartphones bedienen zu müssen.
Für diese viel größere Zielgruppe, für die die Vorteile eines Nexus unwichtig sind, wäre das Moto X die ideale Alternative.
Wenn Motorola das Moto X unabhängig von Mobilfunkverträgen, zu einem Google würdigen Kampfpreis anbieten würde.
Wenn Motorola das Moto X von Anfang an international anbieten würde.
Wenn Motorola garantieren würde, das Moto X von unnützer zusätzlicher Software frei zu halten, sei es eigene oder die der Netzbetreiber, ganz so, wie es Apple für das iPhone garantiert.
Diese harten Punkte sind zusammen viel wichtiger, als farbige Gehäuse und spielerische Mätzchen wie berührungsfreie Steuerung, die schon am Samsung Galaxy S4 niemand nutzt.
Aber zu allen diesen, wie zu vielen anderen wichtigen Fragen die Leo Laporte stellte, blieben Guy Kawasakis Antworten so schwammig, vage und leer, wie man sie nur geben kann.
Für die, die es noch nicht wussten: Um Guy Kawasaki zu beschreiben, wurde in den 80er Jahren der Begriff “Technology Evangelist” geschaffen. Dieser Mann hat Steve Jobs dabei geholfen Apple zur Marke mit Mythos zu machen.
Motorola macht dieses Marketing-Genie zum offiziellen Sprachrohr für die Kampagne für sein neues Flagschiff-Smartphone und erdreistet sich dann zu der peinlichen Dummheit, den armen Mann ohne haltbare Tatsachen vor die Presse zu jagen.
Seine Mimik weckt Mitleid. Sein zwanghaftes Gelächter wird jeder Psychologiestudent im ersten Semester als verschämte Übersprungshandlung entlarven.
Man schaut dabei zu, wie sich eine Legende selbst demontiert.
An einem Punkt im Video merkt man unübersehbar, dass Laporte zu diesem Zeitpunkt mehr über das Moto X weiß, als Kawasaki.
Von da an hat Kawasaki, hat Motorola, hat das Moto X den letzten Rest Glaubwürdigkeit verloren.
Allein diese Peinlichkeit schafft genug Unsicherheit und Zweifel, um vom Kauf des Moto X abzusehen und nach Alternativen zu suchen.
Um zu verstehen, warum Leo Laportes Urteil über das Moto X letztendlich dann doch so wohlwollend ausfällt, braucht es einen Blick auf seine Gewohnheiten in der Vergangenheit.
Für ihn war das gerade neuste Gerät am Markt immer schon gern das beste aller Zeiten.
Das ist nicht stellvertretend für die Zielgruppe,an die das Moto X gerichtet ist.
Für sie wird es innerhalb von 6 Monaten nur ein weiteres, namenloses Smartphone von vorgestern sein.
Und wir anderen müssen weiterhin auf den Nachfolger des Nexus 4 warten.
Schade.
http://www.youtube.com/watch?v=lkaYQ_YhgjM
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