Dienstag, 27. Februar 2018

Danke Florian W. Barbarino

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Ernesto Ravasio

Originally shared by Florian W. Barbarino

Am Wochenende ist in der Schweiz Volksabstimmung über die Abschaffung der Rundfunkgebühr. Hierzu ein Text von Hazel Brugger:

Am Sonntag, 04. März 2018, wird in der Schweiz abgestimmt über die Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren. Derzeit zahlt jeder Haushalt 451 Franken pro Jahr, ab 2019 sind es dann noch 365 Franken. Befürworter der No-Billag-Initiative finden, dass das zu viel ist für das, was das Schweizer Fernsehen leistet, und dass man nur für das zahlen soll, was man selber auch nutzt. Das klingt auf den ersten Blick eigentlich sinnvoll und einleuchtend, trotzdem stimme ich am Sonntag NEIN zu No-Billag.

Ich verdanke dem Schweizer Fernsehen viel, es hat meiner frühen Karriere enorm geholfen und ohne Auftritte im SRF hätte ich weder die Reichweite, noch das Selbstbewusstsein gehabt, um in Deutschland auftreten zu können. Trotzdem bin nicht durchs Band Fan vom Schweizer Fernsehen, sonst wäre ich ja gar nicht erst zum Deutschen Fernsehen gegangen.

Ganz ehrlich, ich würde sogar so weit gehen und sagen: Das meiste, was im Schweizer Fernsehen läuft, halte ich für schwer aushaltbar und an der Grenze zum Peinlichen. Manchmal ist auch eine Perle dabei, aber die entdecke ich dann eher verspätet in der Mediathek. Ich selber bin gut unterhaltene Kundin von Netflix und Amazon Prime und schaue mir lieber amerikanische Sendungen an als irgendetwas Deutschsprachiges. Trotzdem glaube ich, dass ein staatlicher Rundfunk extrem wichtig ist, sowohl für die Medien, als auch für die Demokratie und letztlich für den Bürger – denn: Wenn man nur Kunde sein muss, um König zu sein, ist der König wahrscheinlich unterqualifiziert.

Befürworter der Initiative argumentieren damit, dass ein bisschen mehr Konkurrenz den Medien gut tut und dass sich im freien Markt das beste Produkt am Ende immer durchsetzt. Das klingt richtiger, als es ist. Denn der freie Markt ist ein Wettbewerb, wo die Disziplin der Umsatz ist und nicht der Gehalt – das heisst, der Sieger ist nicht unbedingt der mit der besten inhaltlichen Qualität. Im Gegenteil eher, sonst wäre das Essen bei McDonald’s ja das beste Essen der Welt und ich würde hier auf Facebook mehr Likes für einen gut gemachten Beitrag kriegen als für irgendein Selfie.
Im freien Markt ist der Konsument die Jury und in der Masse besiegen immer niedere Triebe die Vernunft, denn Menschen sind eigentlich gar nicht so entwickelt, wie sie immer tun. Ich mag auch lieber Gewalt, Titten und McFlurry, als einen trockenen Artikel zum Nahostkonflikt und eine Kürbissuppe. Aber manchmal muss man sich halt auch was antun, was erst auf den zweiten Blick lohnenswert ist.
Auf die Medien übersetzt, hiesse eine komplette Privatisierung, dass aller Inhalt durch Werbeeinnahmen und die Gelder von Superreichen finanziert würde. Die Einschaltquote würde alle anderen Ansprüche diktieren. Und wenn zwei Nachrichtensendungen dann gegeneinander um Zuschauer kämpften, würde nicht unbedingt die am besten recherchierte, die am nächsten an der Wahrheit dran ist, gewinnen. Sondern wahrscheinlich die mit der fetzigeren Musik, mit den krasseren Schlagzeilen, den härteren Meinungen, schlüpfrigeren Stories und hotteren Nachrichtensprechern. Jeder, der schon mal Fox News gesehen hat, weiss, wie nervig so was auf Dauer ist.

„Okay, aber was, wenn sich ein paar Leute, dann trotzdem zusammentun, sich sehr viel Mühe geben, und eine Nachrichtensendung abliefern?“ – ja, das klingt eigentlich nett. Aber die Privatisierung von Medien schafft ja nicht nur die staatlichen Medien ab, sondern führt auch unweigerlich dazu, dass nur noch sehr reiche Privatpersonen die Köpfe von Medienhäusern sein werden. Milliardäre mit einem Mitteilungsbedürfnis. Milliardäre sind zwar nicht dumm, aber trotzdem ist das problematisch. Denn natürlich muss man sehr schlau sein, um Milliardär zu werden, sonst würde man ja nicht gewinnen in einem Spiel, wo Reichsein das Ziel ist, aber gerade, weil der Milliardär so gut ist im Reichwerden, denkt er wohl kaum wirklich im Interesse von Leuten, für die 451 Franken im Jahr zu viel Geld sind. Und weil der Milliardär schlau ist, wird seine persönliche Meinung als Chef des privaten Mediums, unweigerlich das beeinflussen, was dort gezeigt wird. Und das ist im Kern undemokratisch. Vor allem im wahrscheinlichen Fall, dass der Milliardär Anhänger einer politischen Partei ist, von deren Stärkung er finanziell und hierarchisch profitiert.

„Gut“, kannst du jetzt sagen, „aber ich werde mich nach wie vor reflektiert informieren und selber in Qualitätsmedien investieren, schliesslich gibt es noch Zeitungen, die man lesen kann, und im Internet findet man auch gute Quellen, wenn man weiss, wo man suchen soll“. Und das mag stimmen. Dann gratuliere ich dir zu deinem Lifestyle. Aber du musst ja trotzdem auch mit Leuten reden, mit Menschen in einem Staat funktionieren, die sich nicht so tüchtig um ihre mediale Bildung kümmern wie du. Du musst deine Kinder zu Lehrern schicken, die Werbung schauen anstatt langweiliges Staatsfernsehen, bist im Strassenverkehr von Leuten abhängig, die nur noch Pay-TV schauen und wohnst in einem Land, in dem viele, die das Wahlrecht haben, all ihre Informationen von milliardenschweren Medienmogulen zugeschustert kriegen.

Hinzu kommt noch ganz allgemein, dass Bürger-Sein natürlich nicht nur Rechte mit sich bringt, sondern auch Pflichten, und zu diesen Pflichten gehört es halt nun mal, für Dinge zu bezahlen, die für alle sind, auch wenn der einzelne nichts damit anzufangen weiss.

Ich hätte gerne schon früher etwas zu diesem Thema geschrieben, aber ich war etwas abgeschreckt, denn das Ganze scheint mir ein Fass ohne Boden zu sein, das viele brennende Themen und problematische Entwicklungen der letzten paar Jahre vereint. Ans Herz legen kann ich euch aber zu weiterführenden Recherche das Video zum Thema auf der Seite von Michael Elsener, sowie Beiträge in der ARD Mediathek, in der NZZ Neue Zürcher Zeitung und der sehr neuen Schweizer Zeitung Republik.

Ich freue mich, wenn ihr euch weiterhin informiert, am Abstimmungssonntag zur Urne geht und gesund und wachsam bleibt.
Hazelsgonnahaze.


https://www.facebook.com/hazelbrugger/posts/1529081363871467

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